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Welch ein Unterschied
zwischen meiner An- und Abreise des Besuches in Plunge!
Ankunft im litauischen Hafen Klaipeda mit 5stündiger Verspätung
der Fähre wegen Maschinenschadens, dann die 60 km Fahrt nach Plunge
mit einem bis zur Decke voll mit Hilfsgütern beladenen Van in einem
fürchterlichen Schneegestöber auf eisglatten Straßen. Nach 2 ½ Wochen
Aufenthalt jedoch die Abreise mit Sonne, auf schneefreien Straßen
und am Himmel die ersten heimkehrenden Kraniche - der Frühling naht
in Litauen!
Der lange kalte Winter, bis 30° minus, hinterließ die alljährlichen
großen Straßenschäden. Durch das Tauwetter und die veralterte Kanalisation
waren viele Straßen überschwemmt und die Tiefe der Straßenlöcher
konnte man daher nicht erkennen.
Mein Auto setzte oft sehr hart auf! Den Fußgängern erging es noch
schlechter, sie wurden kräftig nass gespritzt von rücksichtlosen
Autofahrern, und die gibt es genug bei den jungen Fahrern mit ihren
frisierten großen Autos.
Die Nebenstraßen, die vorher mit einer dicken Eisschicht bedeckt
waren, versanken nun im Schlamm. Die Bewohner ließen einfach ihre
Autos an der Hauptstraße stehen und gingen zu Fuß zu ihren abgelegenen
Häusern.
Die wirtschaftliche Lage vieler Plunger ist immer noch erschreckend
schlecht. Viele arbeiten für ein paar Monate in Irland oder England.
Z.Zt. arbeiten 300.000 Litauer im Ausland, von 3.450.000 Einwohnern,
so die offiziellen Zahlen.
Der Unterschied im Lebensstandard zwischen Stadt und Land ist gravierend.
In den ländlichen Gebieten versuchen die Menschen mit viel Phantasie
ihr Einkommen zu verbessern, oder sie haben jede Hoffnung auf ein
besseres Leben aufgegeben und suchen Trost im Alkohol.
Gerade die Frauen ergreifen oft die Initiative zur Erhöhung des
Familienbudgets: Eine alte Frau kam mit ihren kleinen Handarbeiten.
Durch den Verkauf besserte sie ihre Rente von 100 € auf.
Eine andere Frau bot einen Goldring zum Verkauf an, mit dem Erlös
wollte sie ihre Zähne bezahlen, da die litauische staatliche Krankenkasse
die Kosten für Zahnersatz nicht übernimmt.
Ja, Litauen ist ein sehr schönes Land mit großer Kultur und Geschichte,
doch die lange sowjetische Besatzung hinterlässt immer noch ihre
Spuren. Doch trotz aller Sorgen und Probleme gab es in Plunge fröhliche,
positive, den Alltag vergessende Erlebnisse. 25 Plunger genossen
im Deutschen Kulturzentrum ein feucht-fröhliches Weinfest mit deutschen
Weinen.
Brigitte Wagner, die Mendener Gleichstellungsbeauftragte, kam für
ein paar Tage nach Plunge und leitete zum zweiten mal das Frauenseminar
"Vernetzung von Frauen". Die 18 Frauen mit den verschiedensten Berufen
waren nach Abschluss des Seminars so motiviert, dass sie beschlossen,
ein Frauennetzwerk nach Mendener Vorbild zu gründen. Auf Einladung
von Ulla Amsler ("Hilfe für Plunge") und der Gleichstellungsbeauftragten
Brigitte Wagner wird eine Frauengruppe im nächsten Jahr nach Menden
kommen.
In einem ausführlichen Gespräch mit dem deutschen Botschafter Heinsberg
in der deutschen Botschaft in Vilnius, fand das vielseitige soziale
sowie das kulturelle Engagement von "Hilfe für Plunge/Litauen
e.V." große Beachtung.
Außerdem gab es einen Meinungsaustausch über die Situation in den
ländlichen Gebieten. Das Problem dort ist auch von der EU erkannt
worden. 14 Milliarden Euro zahlt sie von 2006 - 2013 an Strukturhilfe.
Es bleibt zu hoffen, dass das Geld an den richtigen Stellen ankommt!
Große Betriebsamkeit herrschte in der Plunger Stadtverwaltung, der
Gesundheitsminister kam zu Besuch. Beim gemeinsamen Rundgang durch
das Plunger Krankenhaus, bedankte er sich sehr herzlich für die
große geleistete Unterstützung von "Hilfe für Plunge".
Durch den sehr erfolgreichen Einsatz der leitenden Ärztin Vanda
Buciene ist das Krankenhaus in fast allen Abteilungen renoviert
worden und hat eine gute medizinische Ausrüstung. Probleme gibt
es bei der täglichen Pflege der Patienten, da sie meist sozial schwach
sind und keinerlei persönliche Hygieneartikel mitbringen - angefangen
von Waschzeug, Nachtwäsche, ordentliche Kleidung.
Allein die separat liegende Abteilung für TB-Kranke ist profitabel
für das Krankenhaus, so Vanda Buciene, da diese Behandlungskosten
aus einem besonderen Fonds geleistet werden. 20 Betten hat diese
Abteilung, 19 sind belegt mit offener TB, ca. 20 ambulante TB-Kranke
kommen jeden Tag in diese Abteilung, bekommen ein gesundes Essen
und ihre Medikamente. 200 TB-Kranke gibt es im Kreis Plunge und
es ist ein großes Problem diese Kranken aus den Dörfern zu behandeln.
Sie sind oftmals Alkoholiker, nicht einsichtig, viele haben nicht
das notwendige Geld für die Busfahrt zum Krankenhaus. Tuberkulose
ist eine in ganz Litauen verbreitete Armutskrankheit.
Viel Zeit nahm die Organisation vor Ort der diesjährigen Projekte
von "Hilfe für Plunge" in Anspruch. Das große Projekt "Leben
und Wohnen im 3.Jahrtausend - Visionen von Jugendlichen und Senioren"
mit Plungern , Rumänen und Mendenern am Plateliai-See Ende Juli
wird auch von der Plunger Stadtverwaltung unterstützt. Bürgermeister
A. Peculius war sehr an diesem, für die Stadt Plunge sehr interessanten
Programm, interessiert und sagte seine Hilfe zu.
Im September, zum 5-jährigen Bestehen des deutschen Kulturzentrums
lädt "Hilfe für Plunge" alle Plunger zu einem klassischen
Konzert ins Schloss Oginskis ein. Befreundete Musiker aus Vilnius
werden spielen und die Malerin Sigute Ach ebenfalls aus Vilnius,
wird ihre neuesten Bilder ausstellen. Alle beteiligten Künstler
waren bereits in Menden und haben schöne Erinnerungen an ihren Aufenthalt!
Doch zunächst kommen Plunger im Juni für eine Woche nach Menden:
Wanderer, Künstler, eine Tanzgruppe Geistigbehinderter. Die 5 Künstler
gestalten mit Künstlern aus der Mendener Region in der Rathaus-Galerie
eine Ausstellung, es gibt gemeinsame Wanderungen, Besuche von Behinderteneinrichtungen
u.v.m.
Die 21-stündige Fahrt mit der Fähre zurück nach Kiel war eine gute
Gelegenheit über die vielen Treffen und Gespräche noch einmal nachzudenken
und sich von den erlebnisreichen Tagen auszuruhen.
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