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Mit der Vorgabe,
außer eines Vernissage-Termins
keine Vorgabe zu haben, sind die Mendenerin Ulla Brockfeld und die
Iserlohnerin Dagmar Müller mit "Hilfe
für Plunge" in die Partnerstadt Mendens gereist,
um hier künstlerisch tätig zu werden.
Während Europa die Erweiterung feierte, haben sie sich ein
paar Tage aufmerksam umgeschaut und dann zwei Wochen hart gearbeitet.
Mit einem bemerkenswerten Erfolg.
Ulla
Amsler (l.) brachte die Künstlerinnen aus Deutschland auf
den Gedanken, ihre Arbeiten in Plunge zu zeigen.
Daraus entwickelte sich der Gedanke, sich vor Ort inspirieren
zu lassen, vor Ort zu arbeiten und umgehend auszustellen.
"Eine tolle Erfahrung" sagt Ulla Brockfeld (2.v.l.),
die schon häufiger mit der Goldschmiedin Dagmar Müller
(3.v.l.) zusammen gearbeitet hat.
Weiter im Bild: Barbara Wagner und Eva von der Dunk. |
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"Das war
eine tolle Erfahrung" ist Ulla Brockfeld, die eigentlich als
Keramikerin arbeitet, begeistert - begeistert von der Gastfreundschaft
der Litauer, ihrer Offenheit, ihrer Bereitschaft, alles stehen und
liegen zu lassen, um den Künstlerinnen aus Deutschland zu helfen.
Spartenübergreifend hat die Gruppe von Kunstschaffenden, die
Ulla Amsler um sich versammelt hatte, um in Plunge deutsche Kultur
aus- und darzustellen, eine beeindruckende Vernissage gezeigt, die
in einer Dokumentation von der litauischen Fotografin Christina
Pauluskaite festgehalten wird.
Bei der Ausstellungseröffnung im Schlossmuseum Oginskis beeindruckte
Angela Kalwa, die in Menden zur Eröffnung des FrauenKunstForum-Projekts
"Liebe an Unorten - 47" tanzte, mit ihrem ausdruckstarken
Butoh-Tanz.
Die Lyrikerin Eva von der Dunk trug eigene Texte vor - und Gedichte
von der kürzlich verstorbenen litauischen Dichterin Daute Pauluskaite
- auf Deutsch und fünf auf Litauisch.
Barbara Wagner aus Wetter hatte in der Leinenfabrik, die die Gruppe
zu Beginn ihrer Zeit in Plunge besichtigt hatt, Fässer mit
Leinenfäden installiert, aus denen "Gedankenflügel"
schwebten.
Ulla Brockfeld und Dagmar Müller hatten neben diversen kleinen
Stücken zwei große Installationen aufgebaut.
"An der Gedenkstätte Kausinai kam uns der Gedanke, den
hier begrabenen 84 Mädchen ein Kunstwerk zu widmen", erklärt
Ulla Brockfeld.
Zirka 2000 Juden wurden hier erschossen.
Als Grabplatte wurde an der Gedenkstätte ein großer Judenstern
angebracht, den die beiden Künstlerinnen zunächst in Papierform
abnahmen.
In der Plunger Leinenfabrik ließen sich die Arbeiterinnen
nicht lange bitten und schnitten den Stern aus einer zentimeterdicken
Recycling-Filzschicht aus.

"Vor Ort haben wir mit Drahtfäden 84 Steine auf den
Stern genäht" berichtet Ulla Brockfeld. Dies in Anlehnung
an den Brauch beim Besuch eines jüdischen Grabes einen
Stein niederzulegen.
Weil während dieser Arbeit an der Gedenkstätte ein
ziemlicher Wind ging, haben sich zahlreiche Birkensamen in dem
Filz verfangen. |
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Wenn jetzt noch
das Element Wasser dazu käme, könnte aus dem Stern etwas
wachsen ... doch der Stern wurde im Schloss Oginskis in einem Raum
platziert, an dessen Wänden zwei Fotos von Christina Pauluskaite
das Kunstwerk komplettieren.
Einmal ist der Grabplattenstern frei zu sehen, einmal ist er von
dem Kunstwerk bedeckt.
Zum Werk dazu gehört noch ein Schulheft, in das eine zehnjährige
Schülerin aus Plunge die 70 bekannten Namen der getöteten
Mädchen schrieb.
Ein Gemälde
inspirierte Ulla Brockfeld und Dagmar Müller zu einem weiteren
Kunstwerk, das mit ihrer bisherigen Schaffensweise nichts zu
tun hat.
Auf brachliegendem, ausgetrocknetem, aufgebrochenem Boden steht
vor endlos weitem Horizont eine Tüte, die aus einer Zeitung
gefaltet wurde und an einer Seite von drei Büroklammern
zusammengehalten wird.
Aus der Tüte heraus ragt ein Pflanzenstängel, der
allerdings keinen lebenden Trieb vorweisen kann. Aus russischen,
hebräischen und litauischen Zeitungen bildeten die beiden
Künstlerinnen Tüten nach diesem Vorbild.
Weiß lackierte Zweige nehmen das zum Pflanzen mitgebrachte
Fünkchen Hoffnung auf
ein neues Leben aus dem Bild an der Wand auf. Das Kunstwerk
der beiden Frauen aus Deutschland korrespondiert mit dem Bild
im litauischen Schloss Oginskis. |
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Noch ein zweites
Mal war Plunges Leinenfabrik Ausgangspunkt für eine Installation:
Barbara Wagner stellte je neun Tonnen, die hier genutzt werden,
im Schloss auf.
In der einen Gruppe herrschte das Chaos ungebändigter Fäden,
die andere Gruppe strahlte den seidigmatten Glanz wohl sortierter
Fasern aus.
Aus den Tonnen heraus spinnen sich die Fäden empor, an denen
die Künstlerin bemalte Fähnchen befestigt hat - Gedankenflügel.
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Pressekonferenz
- diverse Zeitungen und das regionale Fernsehen interessierten
sich sehr für die Arbeit der deutschen Künstlerinnen
in Plunge.
Zahlreiche litauische Künstler und selbst der Kultusminister
ließen es sich nicht nehmen, die Ausstellung zu betrachten. |
Die Lyrikerin
Eva von der Dunk hatte nicht einfach "nur" ihre Gedichte
mitgebracht, sondern setzte sich in Plunge mit dem Werk von Danute
Pauluskaite und Nijole Mailiauskaite auseinander - und mit der litauischen
Sprache.
Ihr Vortrag auf Litauisch war auch eine Würdigung der "anderen"
Wort- und Sprechkultur.
"Auch das hat die Litauer sehr beeindruckt", berichtet
Ulla Brockfeld, die sich von den Menschen in Plunge ausgesprochen
gut aufgenommen fühlte.
"Wir haben so viele unterschiedliche Kontakte geknüpft,
haben von so unterschiedlichen Seiten her die größt mögliche
Unterstützung bekommen, haben tolle Feste gefeiert und dann
wieder konzentriert gearbeitet.
Wenn es noch einmal eine Ausstellung von deutschen Künstlerinnen
in Litauen gibt - dann ganz sicher nicht mit fertigen Objekten,
sondern mit Dingen, die vor Ort entstehen.
Es war ein völlig anderes Arbeiten, eine ganz andere Vorgehensweise.
Wir haben so viel über das Land und die Stadt erfahren und
dieses umgehend umgesetzt.
Das war ganz einfach klasse." Der Erfolg gibt ihr Recht.
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