Am vergangenen
Wochenende (27.2.00) kehrten Peter und Ulla Amsler aus Litauen zurück,
wo sie für den Verein "Hilfe für Plunge"
die Mendener Partnerstadt besuchten. Das Ehepaar berichtet:
„Die fast drei Wochen Aufenthalt in unserer "zweiten Heimat" reichten
nicht aus, allen Einladungen und Kontaktwünschen nachzukommen. Wichtig
war für uns, die Schulen auf den umliegenden Dörfern zu besuchen,
die bereits Unterstützung von „Hilfe für
Plunge" erhalten haben. Sie alle wollten sich persönlich
dafür bedanken.
Diese kleinen Schulen (bis 300 Schüler) mit den Jahrgangsstufen eins
bis zehn und teilweise mit Wohnheimen liegen weitab vom Stadtzentrum
und machen einen vergessenen Eindruck in den trostlosen Dörfern. Alle
müssen Energiekosten sparen, denn Zuschüsse gibt es in diesem Jahr
nicht.
Die Räume waren kalt, und wir haben uns oft gefragt, wie Schüler und
Lehrer bei diesen Temperaturen lernen und arbeiten können - draußen
war Eis und Schnee! Die Lehrer, die schon nicht viel verdienen, bekommen
in diesem Schuljahr noch ca. 15 Prozent weniger an Gehalt.
Lehr- und Lernmaterialien, sind alle veraltet und nur sehr gering
vorhanden. Die Schulräume werden teilweise von Lehrern und einigen
engagierten Eltern mit Holz aus den um liegenden Wäldern renoviert
- Arbeitsbedingungen, die in unseren Schulen nicht vorstellbar sind!
Die
Schule in Narvaisiai:
von außen trist und
innen eigentlich zu kalt für Unterricht |
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Die meisten
Schüler in den Dorfschulen kommen aus sozialschwachen Familien.
Die Eltern sind ohne Arbeit, mit wenig Land, oft Alkoholiker. Die
Lehrer erzählten uns, dass diese Schüler, die während der Unterrichtszeit
im Schulheim leben, an den Wochenenden nicht nach Hause fahren wollen.
Damit ihre kleineren Geschwister zu Hause etwas zu essen haben,
nehmen sie oft Brotreste aus der Schule mit und sind jedes Mal glücklich,
wenn sie am Montagmorgen zurückkehren können. Zwischen 50 und 80
Prozent der Schüler bekommen kostenlos Essen in den Schulen auf
den Dörfern, da das Einkommen der Eltern unter dem Sozialsatz liegt.
Die Schulleiter haben nicht geklagt, aber wir sahen an ihren feuchten
Augen, wie schwer es ihnen fiel, mit uns über die Situation in ihren
Schulen zu sprechen. Trotz aller Armut war es jedes Mal ein kleines
Fest in den Schulen, wenn wir ankamen - schön gedeckte Tische, Lieder
und Tänze und ab und zu auch auf deutsch „guten Tag" und „danke".
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Das
Beste aus ihrer Situation machen die Schulen.
Die Kinder machen
wenigstens einen
fröhlichen Eindruck. |
In Plunge selbst
beobachteten wir eine Mischung aus Optimismus und Niedergeschlagen-heit.
Die öffentlichen Einrichtungen beginnen, ihre desolaten Fenster,
die soviel Energie vergeuden, gegen neue Kunststoff-Fenster auszutauschen.
Das Lebensmittelangebot ist reichlich, andere Konsumgüter dagegen
ausreichend bis dürftig.
Die meisten der Plunger Einwohner sind auch finanziell gar nicht
in der Lage große Einkäufe zu tätigen. Das monatliche Einkommen
reicht gerade für das tägliche bescheidene Leben. Rentner, Kranke
und Arbeitslose liegen bereits unter dem Existenzminimum.
Am 19. März (2000) sind in Litauen Kommunalwahlen. Alle Plunger,
die wir getroffen haben, sind sehr skeptisch hinsichtlich eine Verbesserung
ihrer Lebenssituation. Die nächste Aktion des Vereins ist bereits
am 8. März. Dann wird ein Plunger 40-t-Lkw mit Schulmöbeln für zwei
Schulen beladen.
Der Verein "Hilfe für Plunge"
bittet um folgende gute gebrauchte Geräte, Wäsche, Hygieneartikel
und Renovierungsmaterial für Schulen und andere Einrichtungen in
Stadt und Kreis Plunge: Waschmaschinen, Kühlschränke, Bettwäsche
und Handtücher, Geschirr und Besteck, Farben, Tapeten und Bodenbelag,
Waschpulver und Seife, eine Benzin-Kettensäge.
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