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Der
Kampf um die Unabhängigkeit
Ende 1989
übernahm Litauen die Führung der baltischen Staaten im Kampf um
die Unabhängigkeit.
Die litauische KP (LKP) erklärte sich im Dezember 1989 als erste
sozialistische Partei der Sowjetunion für unabhängig von der KPdSU.
Die große Mehrheit der LKP trug diese Entscheidung mit; unzweideutig
hatte man sich für Litauen und gegen Moskau entschieden.
Im Rahmen der Volksfrontbewegung der baltischen Staaten war es
auch in Litauen zur Gründung einer Nationalbewegung gekommen.
Sajudis (”Bewegung”) wurde immer mehr zum Konkurrenten der KP
obwohl der Großteil ihrer Mitglieder auch der kommunistischen
Partei angehörte.
Die ersten freien Wahlen zum Obersten Sowjet brachten einen klaren
Sieg von Sajudis; Vytautas Landsbergis wurde zum Parlamentspräsidenten
gewählt.
Bereits am 11. März 1990 proklamierte das Parlament die Wiederherstellung
der litauischen Unabhängigkeit (*4*).
Moskau antwortete mit einer Wirtschaftsblockade, um die ”unbotmäßige”
Republik in die Knie zu zwingen.
Anfang Januar 1991 eskalierte die Situation dann endgültig: Vilnius
wurde durch sowjetische Truppen mehr oder weniger von der Außenwelt
abgeschnitten; vor dem Parlament und dem Fernsehturm in Vilnius
standen Tag und Nacht Demonstranten, um die legitime Regierung
und die Medien vor den permanent durch die Stadt fahrenden Armeeeinheiten
zu schützen.
Am 13. Januar 1991 stürmten sowjetische Spezialeinheiten den Fernsehturm
und richteten dabei ein Blutbad unter den unbewaffneten Demonstranten
an: 13 Litauer, darunter eine 24jährige Frau, wurden von Panzern
überrollt oder erschossen.
Obwohl die Hintergründe dieser Aktion bis heute nicht völlig geklärt
sind, dürfte feststehen, dass der Überfall auf den Fernsehturm
die Initialzündung für die Etablierung einer Präsidialherrschaft
Gorbatschows in Litauen sein sollte.
Neben der westlichen Reaktion verhinderte jedoch das eindrucksvolle
Verhalten der litauischen Bevölkerung diese Pläne.
Hunderttausende aus dem ganzen Land gaben den Toten das letzte
Geleit und demonstrierten damit für die Unabhängigkeit des Landes.
Trotz der angespannten Atmosphäre hielten Bevölkerung und Regierung
am gewaltfreien Widerstand fest, nicht ein sowjetischer Soldat
wurde angegriffen.
Friedlich erkämpften sich die Balten ihre Souveränität.
Dieser Prozess fand im August 1991 mit dem misslungenen Moskauer
Putsch seinen Abschluss, der die internationale Anerkennung der
baltischen Staaten beschleunigte.
Der wiedergegründete litauische Staat umfasst ein Territorium
von 65200 km2; in ihm leben ca. 3,7 Millionen Menschen, von denen
mehr als 80 Prozent litauischsprachig sind.
Die größten Minderheiten stellen Russen (8,3 Prozent) und Polen
(7 %) dar.
Ein Minderheitenproblem wie in Estland und Lettland existiert
daher nicht, zumal Litauen 1989 in einem bemerkenswerten Schritt
allen nicht-litauischen Einwohnern freistellte, innerhalb einer
Frist von zwei Jahren die litauische Staatsangehörigkeit ohne
jegliche Bedingungen erwerben zu können (*5*).
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(*4*)
Da die Annexion durch die Sowjetunion völkerrechtswidrig war,
hatte der litauische Staat während der 50 Jahre Sowjetherrschaft
weiterexistiert.
(*5*) Vgl. Caroline Taube, Minority Rights in Present Lithuania,
in: Boris Meissner u. a. (Hrsg.), Die deutsche Volksgruppe in
Litauen und im Memelland während der Zwischenkriegszeit und
aktuelle Fragen des deutsch-litauischen Verhältnisses, Hamburg
1998, S.424 ff.
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