| Dieses Mal ging
die 1650 km lange Fahrt nach Plunge von Ulla
und Peter Amsler aus dem "Partnerschaftsverein
Menden–Plunge e.V." über Land
- allein quer durch Polen 800 Km. Mit einer
Hotelübernachtung in Polen war es jedoch
nicht ganz so anstrengend.
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Novemberstimmung
am Babrungasee, Plunge |
In Plunge warteten bereits die Freunde im deutschen
Kulturzentrum auf die beiden Mendener.
Beim gemeinsamen Essen und nach dem ersten litauischen
Wodka wurden Plunger und Mendener Neuigkeiten
ausgetauscht.
Der noch gar nicht so lange nach Plunge versetzte
Pfarrer Julius hat jetzt begonnen, das vor gut
einem Jahr ausgebrannte Gemeindehaus, bei dem
nur noch die Seitenwände stehen geblieben
sind, nach modernsten Gesichtspunkten wieder
aufzubauen - ein ehrgeiziges, teures Projekt,
wofür er die verschiedensten Geldquellen
finden konnte, u.a. das litauische Sozialministerium
und die EU.
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Das
ausgebrannte Gemeindehaus |
Mit wem man auch in Plunge sprach, unweigerlich
fiel bei allen das Wort „Krise“!
Bis vor zwei Jahren konnte man in Litauen einen
deutlichen Aufschwung sehen.
Die meisten Plunger waren zufrieden und konnten
sich persönlich mehr leisten.
Nun spüren viele die Auswirkungen der wirtschaftlichen
Krise.
Die meisten Beschäftigten mussten empfindliche
Abzüge ihrer Verdienste hinnehmen, Renten
wurden stark gekürzt und wer als Rentner
noch einen Nebenverdienst hat, dem wird dieser
noch einmal gemindert.
Rigorose Sparmaßnahmen bei den Behörden
- Festnetztelefone wurden abgeschafft, Angestellte
in höheren Positionen bekamen ein Dienst-Mobiltelefon,
alle anderen telefonieren mit ihrem privaten
Handy auf eigene Rechnung.
Investitionen, Renovierungsarbeiten wurden drastisch
gekürzt oder ganz gestrichen.
Viele Plunger sahen jedoch auch die hohe Arbeitslosenquote
kritisch.
Das Arbeitslosengeld ist mit ein wenig Schwarzarbeit
genauso hoch wie der verringerte Monatsverdienst.
So gibt es oft keine große Motivation
eine offizielle Arbeitsstelle anzunehmen.
Der Besuch beim Verein der Behinderten „Viltis“
(Hoffnung) machte schon sehr nachdenklich. Körper-
sowie Geistigbehinderte mit ihren Familien baten
den Partnerschaftsverein um Hilfe bei der Anschaffung
von dringend notwendigen medizinischen Hilfsmitteln.
Zudem brauchen die rund 70 Familien die elementarsten
Einrichtungsgegenstände.
Vor ihrem geistigen Auge sahen Ulla und Peter
Amsler die vielen guten, noch brauchbaren Möbel,
die am Sperrgut-Abholtag an den Mendener Strassen
stehen!
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Besucher
beim deutschen Abend |
Ganz besonders freuten sich die Mendener über
viele bekannte Gesichter, die zu einem deutschen
Abend ins deutsche Kulturzentrum gekommen waren.
Ulla Amsler stellte Sitten und Gebräuche
in den Monaten November und Dezember vor. Zu
Allerheiligen und Allerseelen besuchen auch
die Litauer die Gräber ihrer Verstorbenen.
Von weitem sah man schon das Lichter- und Blumenmeer
der Friedhöfe.
Der St. Martinstag mit seinen Umzügen und
Laternenliedern war nicht bekannt.
Ebenso die Adventszeit mit ihrem religiösen
Hintergrund, den Dekorationen, den Liedern und
Plätzchenbacken.
In der sowjetischen Besatzungszeit war es nicht
ratsam öffentlich religiöse Bekenntnisse
zu zeigen.
Glühwein und Adventsgebäck wurden
natürlich gerne probiert und den aus Menden
mitgebrachte Adventskranz bekam Pfarrer Julius
für seine Kirche.
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Pfarrer
Julius und Violeta Skiriene, Leiterin
der Plunger Bibliothek |
Ein wichtiger Grund für eine Reise nach
Plunge in diesem nasskalten, dunklen November
war die Organisation und Übergabe der Geldspenden
für notwendige Renovierungen und Anschaffungen
im deutschen Kulturzentrum.
Rechtzeitig vor dem kalten langen litauischen
Winter lässt der Partnerschaftsverein auf
seine Kosten noch drei weitere alte zugige Fenster
in den Gästezimmern des deutschen Kulturzentrums
erneuern – eine wichtige Energiesparmaßnahme
und eine Aufwertung der Zimmer.
Es wurden teilweise die alten stromfressenden
Elektrogeräte durch neue ersetzt und nach
Abreise der Mendener bekommen zwei Gästezimmer
einen neuen Anstrich.
Das Warenangebot in Litauen ist riesig und gut.
Die Preise sind oftmals geringer als in Deutschland,
allerdings für die Einheimischen oft nicht
zu bezahlen, da das Einkommen wesentlich geringer
ist als bei uns.
Darum versucht der Partnerschaftsverein möglichst
die benötigten Mittel vor Ort zu kaufen,
denn so wird noch die heimische Wirtschaft unterstützt
und der teure Transport von Deutschland nach
Litauen fällt weg!
Für das Schülerwohnheim des Saule–Gymnasiums,
in dem die erste Etage das deutsche Kulturzentrum
eingerichtet wurde, sind die drei Gästewohnungen
mit insgesamt 10 Betten, eine notwendige Einnahmequelle.
Gäste können gegen einen geringen
Betrag hier übernachten und die Einnahmen
werden wieder für notwendige Investitionen
Schülerwohnheim verwendet.
Nach Verkauf eines Hotels in der Nähe des
Plunger Krankenhauses, ist die Nachfrage nach
Übernachtungsmöglichkeiten für
auswärtige Besucher gestiegen.
Vorrangig jedoch wohnen die Mitglieder des Partnerschaftsvereins
während ihres Aufenthaltes in Plunge in
den Räumen.
Der Partnerschaftsverein möchte so gut
wie möglich das deutsche Kulturzentrum
mit seinen Gästezimmern ausstatten.
Eine Beteiligung von Seiten der Plunger Stadtverwaltung
und des Saule-Gymnasiums ist aus Geldmangel
nicht zu erwarten.
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